Schlussbericht

der 10. IBK-Künstlerbegegnung in der Sparte zeitgenössischer Tanz


Vielfalt des experimentellen Tanzes bewegte St.Gallen

Am vergangenen Wochenende trafen sich anlässlich der 10. IBK-Künstlerbegegnung Tanzschaffende aus der gesamten Bodenseeregion in St.Gallen. Im Mittelpunkt stand der zeitgenössische Tanz. Am Sonntag ging der Tanzmarathon mit intensiven Workshops für Profis und Laien zu Ende. Drei Tage lang wurde getanzt, philosophiert, diskutiert und ein tanzbegeistertes Publikum hautnah in das Geschehen miteinbezogen.

„In den einzelnen Ländern und Kantonen rund um den Bodensee ist aktuell viel in Bewegung, was den zeitgenössischen Tanz betrifft“, so Gisa Frank Wiederkehr, Künstlerische Leiterin der 10. IBK-Künstlerbegegnung bei ihrer Ansprache zum Auftakt des Tanzmarathons in St.Gallen. Sie dankte der Internationalen Bodensee Konferenz (IBK) und dem Kanton St.Gallen, dieser Nischenkunst die Plattform geboten zu haben.


Tanzen als Chance

Neben Tanzaufführungen an verschiedenen Orten und auf öffentlichen Plätzen referierte auf philosophisch heitere Weise der Züricher Publizist und Philosoph Ludwig Hasler zum Thema „Mit der Krise tanzen. Warum der Leib beim Abheben mitkommen muss.“ Im Hinblick auf das gelungene Motto der Veranstaltung „abheben und überfliegen“ und in Bezug auf die wirtschaftliche Krise war für ihn klar, dass die Menschen lädiert am Boden sässen. Dagegen helfe nur noch tanzen, als einzigartige Chance abzuheben – und doch bei sich zu bleiben. „Abheben als Bewegung gegen den Sog, entgegen dem Takt der Dinge, hin zum selbstbestimmten Rhythmus“, so Hasler.


Tanz suchte und fand sein Publikum

Im Mittelpunkt des bewegten Programms standen die neun eingeladenen Tanzkompanien und weitere Tanzschaffende aus den IBK-Mitgliedsländern und Kantonen Baden-Württemberg, Bayern, Vorarlberg, Schaffhausen, St.Gallen, Thurgau, Zürich, den beiden Appenzell sowie dem Fürstentum Liechtenstein.

Raus in die Öffentlichkeit, hiess es am Freitagnachmittag bei sonnigem Wetter. Mit Kurzchoreografien und Gruppen-Improvisationen eroberten teilnehmende Profis den urbanen Raum, überraschten Passanten am Bahnhofsplatz, im Klostergarten Katharinen oder auf der Wiese Unterer Brühl. Das Ereignis des Abends war das Tanzfest für Jung und Alt, bei dem Tanzprofis die Tanzfreude der zahlreichen Besucher mit Kurz-Choreografien entfachten. In wenigen Minuten beigebracht, wurden diese in der kurzweiligen Ballnacht mit DJ und 12-köpfiger Liveband ausprobiert.

Am Samstag wurde der Tanzmarathon mit 9 x Tanz in der sehr gut besuchten Grabenhalle mit rund 200 Sitzplätzen eröffnet. Choreografinnen wie Monica Gomis (Bayern) in „A woman with a plan“ und Nicki Liszta von Backsteinhaus Produktion (Baden-Württemberg) in „femme fatale“ beschäftigten sich mit weiblichen Rollenmustern. In „überleb dir mal“ des Trios Roemmel/Collaud/Hettich (Appenzell Ausserrhoden) schimmerte Gesellschaftskritik durch, ebenso wie bei „Cie Bewegungsmelder“ aus dem Vorarlberg. Ihre Arbeit „blindlinks“ setzt Lomografien ein. Seraina Dejaco aus dem Thurgau gab mit Polaroids und Tagebuchnotizen Einblick in den Entstehungsprozess, andere nutzten grossformatige Video-Projektionen als Referenzebene. Wieder andere, wie Tina und Andri Beyeler (Schaffhausen) mit ihrer Kumpane-Produktion, brachten Witz und Ironie auf die Bühne.

Immer war der Körper Bezugspunkt. Radikal und investigativ behandelte ihn Marisa Godoy (Oona Project, Zürich) im Solo „Radical_Connector“. Reflexionen konnte man in Marco Santis „Verkörperte Spiegel“ wörtlich wie metaphorisch, philosophisch wie ästhetisch verstehen. Ebenso faszinierend wie das Performance-Stück des zukünftigen Tanzchefs der Tanzkompagnie St.Gallen war „Soft Landing“, in dem die Choreografin Susana Beiro (battleROYAL, Fürstentum Liechtenstein) ihre Tänzer in weisse Overalls steckte und hinter einer Maske verbarg, um sich mittels Seilen auf raffinierte Weise über die Schwerkraft hinwegzusetzen.


Netzwerk geschaffen

Offizieller Treffpunkt war während der ganzen Tanztage das Kulturhaus Palace als Ort für Begegnungen und zum Informationsaustausch. Neben Tanzvideos konnten sich Tanzschaffende mit kleinen Ausstellungen präsentieren. Ausserdem wurde über die Ausbildungssituation im Bereich zeitgenössischer Tanz in Deutschland, der Schweiz und Österreich informiert. Im Zuge der Vorbereitungen der Künstlerbegegnung konnten rund 1.500 Menschen im IBK-Raum ermittelt werden, die mit Tanz zu tun haben. Dieses geschaffene Netzwerk wird jetzt seine Fortführung bei den Arbeiten zum Projekt TanzPlan Ost finden. TanzPlan Ost ist ein koordiniertes Förderprojekt der Ostschweizer Kantone und des Fürstentums Liechtenstein. Es besteht aus einem tourenden Tanzfestival sowie Choreografie- und Vermittlungsprojekten. Auftakt für das Projekt war die überaus erfolgreiche IBK-Künstlerbegegnung.

Text: Leonore Welzin, 20.9.2009

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